Phimose – Krankheit oder „Lizenz zum Gelddrucken“?

Als medizinischer Grund für die operative Entfernung der Penisvorhaut wird in den allermeisten Fällen eine Phimose bzw. Vorhautverengung genannt. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es sich hierbei um einen entwicklungsphysiologisch völlig normalen Zustand handelt, der, solange er symptomfrei bleibt, eigentlich gar nicht behandlungsbedürftig ist. Erfahrungen aus den skandinavischen Ländern belegen eindeutig, dass sich die meisten kindlichen Vorhaut- „Probleme“ (Verengung oder Verklebung) bis zur Pubertät von selbst erledigen. Dementsprechend sind in diesen Ländern ERHEBLICH weniger Phimose-Operationen zu verzeichnen.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, aber eine natürliche körperliche Entwicklung hat natürlich DANN von vorneherein keine Chance, wenn der betreffende Körperteil vor Ende seiner vollständigen Entfaltung amputiert wird.

Bevor eine Beschneidung überhaupt in Erwägung gezogen werden sollte, gibt es eine ganze Reihe anderer, sanfterer, gar nicht oder nur gering invasiver Behandlungsmethoden für diverse Vorhautprobleme. Hinsichtlich Bekanntheit, Verfügbarkeit und ärztlicher Aufklärung über nichtoperative oder gering invasive Alternativen zur Beschneidung scheint aber noch vieles im Argen zu liegen.

Dazu Kinderarzt Dr. Martin Lang, Augsburg, auf seiner Homepage:

„Zur Behandlung einer Phimose im Wachstumsalter gibt es eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten operativer und nichtoperativer Art. Leider werden die Eltern und betroffenen Kinder hierzulande selten umfassend und sachgerecht vor einer Phimose-Behandlung aufgeklärt.“

Und weiter:

„In Deutschland besteht ein hohes Maß an Unzufriedenheit nach Phimose-Operationen. Ich meine: aus gutem Grund. Denn häufig wird hierzulande zu früh, zu viel und zu "radikal" operiert.“

Eine Studie der Universitätsklinik Münster im Jahre 2004 hat klar gezeigt, welch hohe Erfolgsquoten durch eine simple  Salbenbehandlung erreicht werden können. Damals waren 107 betroffene Jungen mit Salbe therapiert worden. Nur bei 2 von ihnen war danach eine Operation erforderlich - und diese erfolgte vorhauterhaltend. Auch diese beiden Jungen wurden also nicht beschnitten.

Es stellt sich die Frage, weshalb man an Kindern eine OP mit bleibenden körperlichen und möglicherweise psychischen Folgen vornimmt, wenn andere Möglichkeiten mit hoher Effizienz und erheblich geringeren Kosten zum gleichen Ergebnis führen.

Ähnliche Kritik kommt aus Österreich. Prim. Univ. Doz. Dr. Michael Rauchenwald, Vorstand der Abteilung für Urologie und Andrologie am Donauspital Wien:

„Auch in Österreich ist die Operation bei Phimose … mit fast 9.400 Eingriffen pro Jahr wahrscheinlich die häufigste chirurgische Intervention ... Zieht man die knapp 40.000 männlichen Geburten pro Jahr in Betracht, so ergibt sich eine Rate von Vorhautoperationen von etwa 7% in den ersten vier und etwa 13% innerhalb der ersten neun Lebensjahre. Diese Zahlen erscheinen als eindeutig zu viel.

Trotzdem wird die Indikation meist nur wenig hinterfragt, der Eingriff selbst wird häufig als banale Operation abgetan und dem chirurgischen „Schüler“ überlassen. Eine fehlerhaft durchgeführte radikale Zirkumzision hat jedoch mitunter lebenslange funktionelle, kosmetische und psychosoziale Folgen für den jeweils betroffenen Patienten.“

Zu den Folgen nochmals Kinderarzt Dr. Lang:

„Eine … schlecht durchgeführte totale Beschneidung kann erhebliche lebenslange Missempfindungen beim Patienten auslösen (z. B. Spannungen am Penisschaft, Überempfindlichkeit/ Empfindungsverlust an der Eichel, Trockenheitsgefühl, Schmerzen beim Beischlaf, Amputationsgefühl u. a.). Zudem können … nach einer Totalbeschneidung nur schwerlich Korrektureingriffe vorgenommen werden.“

Einige dieser Symptome können auch dann auftreten, wenn der Eingriff lege artis (nach den Regeln der ärztlichen Kunst) ausgeführt wurde.  Einen Korrektureingriff, etwa zur Behebung eines Empfindungsverlustes im Bereich der Eichel, gibt es nicht.

 

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