Männliche Beschneidung - Harmloser Eingriff oder gefährliche Mutprobe?

Neu dürfte für so Manchen die Tatsache sein, dass auch die Beschneidung der männlichen Genitalien weltweit zu zahlreichen Todesfällen führt oder lebenslanges Leid nach sich zieht. Während die männliche Beschneidung in der sog. „Dritten Welt“ vornehmlich eine rituelle Tradition darstellt, hat sich die Routinebeschneidung von Jungen gleich nach der Geburt in den nordamerikanischen Staaten inzwischen zu einer einträglichen Praxis entwickelt, von der unmittelbar und mittelbar eine ganze Anzahl von Arbeitsplätzen und Karrieren abhängen. Was den Medizinmann auf den Salomon-Inseln mit dem hypermodern ausgestatten Arzt in den USA verbindet: Beide vergehen sich ohne medizinische Indikation an Kindern.Mit der Beschneidung von Jungen wird viel Geld verdienst Es fehlt die medizinische Notwendigkeit, die nach deutschem Recht einen operativen Eingriff überhaupt erst straffrei stellt.

Was genau ist eigentlich Jungenbeschneidung?

Beschneidung bei Jungen und Männern (Zirkumzision) – darunter versteht der Laie in der Regel die operative Entfernung der Penisvorhaut, welche normalerweise die sensible Eichel, wie wichtigste erogene Zone des Mannes, umschließt und schützt.

Hierbei unterscheidet man die medizinisch notwendige Entfernung der Vorhaut von nichtmedizinisch indizierten Eingriffen, etwa aus rituellen oder religiösen Gründen, aus Routine oder nach einer fehlerhaften bzw. leichtfertigen Diagnose.

Wer argumentiert, Jungenbeschneidung sei doch eigentlich eine harmlose „Routine-OP“ und diese Vorstellung womöglich noch auf rituelle Beschneidungen in anderen Kulturkreisen überträgt, begeht allerdings gleich zwei fatale Fehler: Die „Operation“ ist nämlich weder hierzulande noch anderswo „harmlos“. Zudem ist das, was in Deutschland unter modernen medizinischen Bedingungen in einer Klink geschieht, überhaupt nicht vergleichbar mit dem, was man anderenorts unter Beschneidung versteht.

Auch die Methoden der männlichen Beschneidung sind vielfältig und durchaus gefährlichHier einige Beispiele dafür, was Beschneidung von Jungen aus nichttherapeutischen Gründen weltweit bedeutet. Es handelt sich durchweg um Initiationsriten. Alle diese Eingriffe erfolgen meist ohne jegliche Betäubung, sind mit furchtbaren Schmerzen verbunden und haben gravierende Auswirkungen auf Gesundheit, Sexualität, Psyche und z. T. auch auf die Fortpflanzungsfähigkeit.

Australien

Einige Stämme der Aborigines praktizieren eine extreme Form der männlichen Beschneidung. Dabei ist die Entfernung der Vorhaut nur der vergleichsweise harmlose erste Teil des Rituals. Später wird die Harnröhre an der Penisunterseite von der Peniswurzel bis zur Eichel längs aufgeschnitten (Subinzision). Die  Jungen und Männer werden dadurch faktisch fortpflanzungsunfähig, da Sperma und Urin nunmehr zwischen den Beinen austreten. Der Eingriff ist extrem schmerzhaft.

Kamerun

Beim Stamm der Dowayos wird der Penis fast in voller Länge abgeschält. Dies führt im Laufe der weiteren Entwicklung der Jungen zu einer ausgeprägten Deformation des Penis. Folge ist oft eine lebenslange Unfähigkeit zum Geschlechtsverkehr.

Kenia und Tansania

Die Luo praktizieren keine Beschneidung im eigentlichen Sinne.

Bei den etwa 12jährigen Jungen wird das Frenulum (Vorhautbändchen an der Eichelunterseite) durchtrennt und damit seiner Funktion beraubt, die Vorhaut immer wieder nach vorne in eine geschlossene Position zu ziehen. Ziel ist es, dass die Eichel nach der Pubertät ständig frei liegt. Die „Operation“ erfolgt durch ältere Jugendliche, die selbst auf diese Weise „beschnitten“ wurden. Bei einer bizarren Form dieser „Beschneidung“ wird eine Riesentermite dazu gebracht, das Vorhautbändchen durchzubeißen.

Philippinen

Bei einer speziellen Form der philippinischen Beschneidung erfolgt auf der Oberseite des Penis ein Längsschnitt in die Vorhaut (dorsaler Schnitt). Durch diesen Schnitt wird die Eichel nach außen gezogen, so dass die Vorhaut wie ein Lappen an der Unterseite des Penis hängt.

Islam, jüdische Beschneidung

Sowohl im Islam als auch bei den Juden ist die Beschneidung von Jungen ein wesentlicher Bestandteil der Religionsausübung. In beiden Religionen entspricht die Beschneidung etwa dem, was Laien sich darunter vorstellen dürften: Die Penisvorhaut der betroffenen Jungen wird bis hinter die Eichel entfernt, was etwa einem Drittel der gesamten Haut am Penis entspricht. Der Eingriff erfolgt vor allem bei älteren Jungen zumindest in Deutschland in der Regel mit Betäubung. Allerdings werden immer wieder Fälle publik, in denen Jungen durch Nichtmediziner mit oder ohne adäquate Anästhesie beschnitten werden.

Routinebeschneidung

Die häufig vorgebrachten „Argumente“ für die häufig oft sehr schmerzhafte Beschneidung männlicher Babies halten einer ernsthaften Prüfung nicht standVorwiegend in Teilen der USA und Kanadas werden männliche Säuglinge unmittelbar nach der Geburt beschnitten. Diese Praxis gerät allerdings mehr und mehr in die Kritik vor allem durch Eltern und private Initiativen.

Der Vorgang wird als eine extrem schmerzhafte Tortur beschrieben, die z. T. auch heute noch ohne adäquate Betäubung stattfindet. Der Säugling wird hierbei auf eine spezielle Unterlage geschnallt und dadurch bewegungsunfähig gemacht.

Anschließend wird die bei Kleinkindern fast immer mit der Eichel verklebte Vorhaut gelöst (abgeschält) und danach entweder mittels Skalpell oder einer speziellen Klemme entfernt.

Begründet wird der „Routineeingriff“ jenseits des Atlantik heute mit vermeintlichen hygienischen Vorteilen und der Prophylaxe von Vorhautproblemen sowie anderen genitalen und sexuellen Erkrankungen.

Einer ernsthaften Prüfung halten solche „Argumente“ allerdings nicht stand.

Historisch sind Zusammenhänge mit einer über längere Zeiträume hinweg vorherrschenden ultrakonservativen Einstellung zu Sexualität und Selbstbefriedigung erkennbar. So schreibt der bereits erwähnte John Harvey Kellogg:

„Ein Mittel gegen Masturbation, welches bei kleinen Jungen fast immer erfolgreich ist, ist die Beschneidung. Die Operation sollte von einem Arzt ohne Betäubung durchgeführt werden, weil der kurze Schmerz einen heilsamen Effekt hat, besonders, wenn er mit Gedanken an Strafe in Verbindung gebracht wird.“

Der Schmerz als Strafe für die „sündhafte“ Manipulation an den eigenen Geschlechtsteilen und als krasses Gegenteil zum empfundenen Lustgefühl war aber nur EIN Ziel, das Kellogg mit der Beschneidung der Vorhaut ohne Betäubung verfolgte. Die Maßnahme zielte ferner darauf ab, die Eichel berührungsunempfindlicher und Masturbation somit uninteressant zu machen. Tatsächlich trocknet die ansonsten feuchte und höchst sensible Eichel nach einer vollständigen Vorhautresektion aus, überzieht sich mit einer neuen, dünnen Haut und wird somit unempfindlicher. In manchen Fällen führt dies in Kombination mit dem Verlust des sensiblen Vorhautgewebes selbst und ggf. des Frenulums zu teilweise eklatanten sexuellen Einschränkungen, worauf deutschsprachige Patienteninformationen mehr oder weniger deutlich hinweisen. Die Behauptung, eine Beschneidung habe keine Auswirkungen auf die Sexualität eines Mannes ist also, wenn auch nicht unbedingt falsch, so doch zumindest nicht zu verallgemeinern.

 

Werbung

Linkpartner

Aktuell zunehmend beliebt ist: Halal Banking auch genannt Islamic Banking besonders in islamischen Ländern.

Mehr zum Thema:




iQ!Direkt